Der Wahlkampf nach Ibiza

Seit einer Woche steht Österreich politisch Kopf. Meinungsforscher haben Mühe zuverlässige Prognosen zu erstellen. Die Stimmungslage lässt sich ganz schwer einordnen. Das Land scheint dieser Tage so intensiv über Politik zu diskutieren, wie kaum zuvor. Eine besondere Rolle spielen dabei die sozialen Netzwerke und da vor allem die Facebook Seiten der großen Medien und natürlich die der Parteien und Spitzenkandidat*innen. Die Performance der Wahlwerbenden habe ich für diesen Beitrag unter die Lupe genommen.

Wer neue Fans gewinnt

Obwohl die SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner für ihre Medienauftritte nicht unbedingt gelobt wird, erlebt sie ein enormes Wachstum auf Facebook. Niemand sonst auf der politischen Bühne hat auch nur annähernd so starken Zulauf seit dem Platzen der Ibiza Bombe zu verbuchen:

Wem die Herzen der Fans zufliegen

Setzt man hier die absoluten Zahlen in Relation zur Größe der Fanbase, fallen die vielen roten Herzen auf. Obwohl die Seiten von Strache und Kurz rund 8 x so groß sind, wie die der roten Frontfrau, schaffen diese beiden “nur” doppelt so viele “Love-Reactions”. Besonders dem Kanzler würde man hier mehr Zuneigung zuschreiben.

Verteilung der “Love-Reactions” von 17.5. bis 25.5.2019
Wie groß die Seiten der Parteien und ihrer Spitzen sind

Wer die Wut abbekommt

Ausgesprochen ungewöhnlich erscheint mir, dass sich bei Sebastian Kurz mit Abstand die meiste Wut entlädt. Eine Reaktion die man eigentlich bei Strache und den Seinen, oder auf Seiten der Oppositionsparteien erwarten würde:

Verteilung der “Wütend-Reactions” von 17.5. bis 25.5.2019

Wo am meisten kommentiert wird

Wenig überraschend gibt es zu Posts der blauen Seiten die meisten Kommentare, auch zu Posts von Kanzler Kurz scheint es besonders viel zu sagen geben:

Wer am lustigsten ist, oder am meisten ausgelacht wird

Strache und seine “Jetzt erst recht Reaktion” in Kombination mit vielfach überarbeiteten Postingtexten sorgten für reichlich Gelächter in den letzten Tagen, nicht nur auf seiner Seite.

Verteilung der “HAHA-Reactions” von 17.5. bis 25.5.2019

Wessen Posts am stärksten geteilt werden

Nicht nur während Krisen wie #Ibizagate werden Inhalte rechter Parteien und ihrer Proponenten am stärksten geteilt. Der Grund dafür ist einfach: Sie schaffen es besonders gut aufzuregen und zuzuspitzen. Das führt zur starken Verbreitung ihrer Inhalte:

Verteilung der “Shares” von 17.5. bis 25.5.2019

Was viele User*innen dabei vergessen, ist, dass jede Form der Interaktion mit einem Beitrag, der Verbreitung des Beitrages hilft. Der Grund dafür liegt weniger an der durch das Teilen entstehenden Reichweiten, sondern am Newsfeed-Algorithmus von Facebook. Je stärker mit einem Post interagiert wird, desto stärker liefert ihn Facebook aus.

“Interagieren Sie nur mit Beiträgen, die Ihnen wichtig sind! Wenn Sie sich über einen Beitrag aufregen und Sie Ihre Empörung mit Ihren Freunden teilen wollen, machen Sie einen Screenshot und posten Sie diesen. Nur so helfen Sie dem Beitrag nicht bei seiner Verbreitung!”

Was das für die EU Wahl bedeutet

Es fällt auf, dass es bei den Spitzenkandidaten der ÖVP erstaunlich ruhig Es fällt auf, dass es bei den Spitzenkandidaten der ÖVP erstaunlich ruhig zugeht. Gleichzeitig scheint es den Sozialdemokraten besser als erwartet zu gelingen ihre Anhänger*innen zu mobilisieren. Gemeinsam mit NEOS und den Grünen dürften sie am stärksten von #Ibizagate profitieren.

Vor allem, wenn es gelingt die Wähler*innen in den großen Städten des Landes zur Urne zu bewegen. Hier hatte die letzte Regierung keine Mehrheit, entsprechend könnte sich der Protest in den Städten am stärksten entladen und für so manche Überraschung sorgen.

“Wo auch immer Sie sich politisch zuhause fühlen, gehen Sie wählen! Morgen geht es nicht nur um Österreich, sondern um die ganze EU. Es würde mich nicht überraschen, wenn die Ereignisse in Österreich auch anderswo den Rechten den erwarteten Wind aus den Segeln nehmen. Die Niederlande sind ein erstes Indiz dafür.”

#Ibizagate, EU Wahl, Wahlkampf

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